Wasser Marsch im Schulunterricht

Die Aussetzung der Wehrpflicht und der Wegzug junger Leute bescheren den freiwilligen Feuerwehren Nachwuchssorgen. In Rheinland-Pfalz gibt es deshalb in einigen Berufsschulen Feuerwehrtechnik als Schulfach. "Da bleibt auch etwas fürs Leben hängen", sagt Lehrer Ralf Kleiner im heute.de-Interview

Ralf Kleiner war früher Schreinermeister und ist jetzt Lehrer für fachpraktischen Unterricht an der Berufsbildenden Schule Donnersbergkreis. Das Wahlpflichtfach Feuerwehrtechnik ist an der Berufsfachschule 1 im Ausbildungszweig Metalltechnik angesiedelt, dessen Teilnehmer von Haupt- und Realschulen kommen und keine Lehrstelle gefunden haben, aber noch schulpflichtig sind. In der Feuerwehr ist Ralf Kleiner seit 1977 und aktuell Brandmeister sowie Kreisausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr Kaiserslautern.

heute.de: Wie ist die Idee entstanden, Feuerwehrtechnik in Rheinland-Pfalz an berufsbildenden Schulen als Wahlpflichtfach anzubieten?

Ralf Kleiner: Früher war es ja möglich, die Wehrpflicht bei der Feuerwehr abzuleisten, indem man sich für zehn Jahre dort verpflichtet hat. Nach Aussetzung der Wehrpflicht hat die Feuerwehr gemerkt, dass ihr der Nachwuchs ausgeht. Vorher war das ein Selbstläufer, jetzt musste man etwas tun. Es gibt Feuerwehren, die am Existenzrand stehen. Der Unterricht in Feuerwehrtechnik ist also eine gute Möglichkeit, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind.

 

heute.de: Wie sieht der Unterricht aus?

Kleiner: Der Unterricht besteht aus einem offiziellen Lehrgang, der auch so in der Landesfeuerwehrschule oder bei anderen Freiwilligen oder Berufsfeuerwehren angeboten wird. Ohne diesen Lehrgang zu absolvieren, kann niemand Feuerwehrmann werden. Die vorgesehenen 70 bis 80 Lehrgangsstunden werden bei uns mit je zwei Wochenstunden über ein Schuljahr verteilt. Der fachpraktische Teil findet bei den örtlichen Wehren mit deren Fahrzeugen und Geräten statt. Dort werde ich zusätzlich von weiteren Kreisausbildern unterstützt, da eine Lehrgangsgruppe von 16 Schülerinnen und Schülern in der Praxis alleine nicht zu unterrichten ist.

 

heute.de: Was lernen die Schüler genau?

Kleiner: Das fängt an mit den Rechtsgrundlagen, die Handhabung vom Feuerlöscher, von Schläuchen, Strahlrohren und feuerwehrtechnischem Gerät. Dann lernen sie, wie ein Löschvorgang von­stat­ten­ge­hen geht. Zum Lehrgangsabschluss zünden wir dann wirklich ein Feuerchen, bei dem sie das Erlernte präsentieren. Dort können sie zeigen, wie ein Feuer gelöscht oder die Einsatzstelle mit Generator und Lampen ausgeleuchtet wird.

 

heute.de: Wird der Unterricht benotet?

Kleiner: Der Lehrgang endet mit einer Prüfung in Theorie und Praxis - aber es werden zwischendrin auch Klassenarbeiten geschrieben oder das praktische Verhalten beurteilt, um eine Schulnote zu erzielen. Es ist also möglich, dass ein Schüler in der Theorie in der Schule einigermaßen gute Noten bekommt und trotzdem durch die Abschlussprüfung fällt - und umgekehrt.

Das Team von Feuerwehrmann Ralf Kleiner (r.) und seine Schüler
Quelle: Ralf Kleiner

heute.de: Gehen tatsächlich Schüler anschließend in die Feuerwehr?

Kleiner: Seit wir das Programm anbieten, sind in jedem Lehrgang mindestens zwei bis drei Schüler hängen geblieben. Bei zwei Lehrgängen, die ich parallel gebe, finden also pro Jahr fünf bis sechs Schüler den Weg zu einer Feuerwehr im Kreis. Es gibt in den Klassen auch immer wieder Schülerinnen. Diese gehören oft zu den Besten des Lehrgangs und gehen dann auch zur Feuerwehr. Der Anteil der Feuerwehrfrauen steigt ständig.

 

heute.de: Könnten die mit diesem Lehrgang auch Berufsfeuerwehrmann werden?

Kleiner: Das ist möglich, allerdings muss ein Berufsfeuerwehrmann eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, am liebsten im Handwerk, für den höheren Dienst muss man sogar studiert haben. Bei der Berufsfeuerwehr absolviert man dann noch mal eine richtige Ausbildung, in der man das Feuerwehrwesen von der Pike auf lernt.

 

heute.de: Was haben die Schüler von dem Kurs, die später nicht zur Feuerwehr gehen?

Kleiner: Während des Lehrgangs wird der große Erste-Hilfe-Kurs absolviert, außerdem erwerben sie technische Fähigkeiten, die ihnen in verschiedenen Berufen von Nutzen sein können, wie den Umgang mit Trennschleifer, Sägen und Brechwerkzeugen, mit hydraulischen Werkzeugen oder der Rettungsschere. Mit einer feuertechnischen Ausbildung können sie in einem größeren Betrieb auch Funktionen wie Sicherheitsbeauftragter oder Brandschutzbeauftragter übernehmen. Wenn sich viele Leute mit gleicher Qualifikation bewerben, können diese Zusatzqualifikationen den Ausschlag geben.

 

heute.de: Die Feuerwehr wird ja auch oft mit sozialen Kompetenzen wie Teamwork in Zusammenhang gebracht.

Kleiner: Ja, die Feuerwehr als Ehrenamt wird mit Respekt, Ehrlichkeit und Disziplin verbunden, also Tugenden, die wieder gefragt sind. Wenn wir hier eine Löschübung durchführen, hat jeder seine Aufgabe und seine Position, die er ausfüllen muss. Da bleibt auch etwas fürs Leben hängen.

 

Das Interview führte Ralf Lorenzen

29.08.2016