Der Parisfahrtfinanzierungsundlernundverwöhntag - ein Erlebnis für Jung und Alt

Es ist eine lange Geschichte. Eigentlich eine sehr lange Geschichte. Aber andererseits auch eine sehr kurze. 25. Mehr nicht. Oder doch? Nein, das ist keine Hausnummer. Das sind fast 25 Jahre der Zusammenarbeit zwischen dem Lycée Jean-Jaques Henner in Frankreich und unserer BBS Donnersbergkreis. Fast 25 Jahre. Da entstanden Freundschaften, da lud man sich privat zu Feiern ein, da wurde man ein Lebensbegleiter. Fast 25 Jahre. Eine Generation. Wer damals bei der ersten Kooperation dabei war, ist heute um die 40. Und wenn so jemand, der früher dabei war, bei der ersten Fahrt nach Frankreich, wenn der (oder die) Frankreich hört, dann werden Erinnerungen wach. Garantiert.

 

Nun ist es wieder so weit - eine Klasse unserer Schule fährt nach Frankreich, diesmal geht es sogar in die Hauptstadt Paris. Und dort trifft man eine Klasse aus dem französischen Altkirch. Drittortbegegnung nennt man das. Gemeinsam soll nun der neue Ort erkundet, erfahren werden. Pädagogisch, kulinarisch, mit Herz, Hand und Verstand. Paris, Weltstadt mit Baguette und Chanson, zumindest früher. Jede und jeder wird etwas mit nach Hause, mit in ihr / sein Leben nehmen. Paris, Weltstadt. Unsere BF I HW 18 a mittendrin.

Und mittendrin unsere Kolleginnen Evelyn Hasselberg und Iris May. Die alles in Deutschland organisiert haben. Geld einsammeln, Anträge stellen, Bittbriefe schreiben, Eltern überzeugen, Passbilder organisieren, Einreisepapiere beischaffen, TGV-Fahrt buchen, Metrokarten in Paris organisieren uvm.

 

Aber - natürlich gibt es immer ein Aber - das muss ja auch finanziert werden. Und das ist ein Problem. Ein GROSSES! Zumindest kann das so sein. Muss aber nicht.

Wo eine Schule ist, da sind Schülerinnen und Schüler nicht fern, und natürlich sind da auch Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen der Verwaltung und ein Hausmeister - und alle haben immer (na ja, manche nicht ganz so oft) Hunger.
Und dies kann unsere Hauswirtschaftsklasse, unsere BF I HW 18 a. Menschen kulinarisch verwöhnen, hier ein Häppchen, da ein Kuchen, hier der Eintopf und dazu noch ein Geschenk für Weihnachten? Vielleicht ein selbst hergestelltes Quittengelee, alles unbehandelt? Oder einen Wendekorb für daheim? (in einem Wendekorb kann man Brot, Schmuck, Münzen, Bananen, Uhren, Goldschätze und vieles mehr aufbewahren. Auch alte Spickzettel, Handies, Liebesbriefe, Eheringe…. und natürlich auch Bio-Lavendelsäckchen, haben wir auch…)

 

Und nun wurde es ernst. Diese Idee wurde umgesetzt. Vier Wochen lang nähten, kochten, backten, rührten und putzten, lernten und verpackten die Schülerinnen und Schüler der BF I HW 18 a, vier Wochen machten und taten sie nichts anderes im fachpraktischen Unterricht, als den einen Tag vorzubereiten, den Parisfahrtfinanzierungsundlerntag. 4 Wochen. Und sie lernten Gelee kochen, Ghee (Butterschmalz) herstellen und gebrauchen, Waffelteig süß und Waffelteig salzig anrühren, und Linseneintopf. Mit Würstchen und Essig. 4 Wochen. Sie lernten auch (ein wenig) kalkulieren, Verkaufsgespräche führen, organisieren, Teamarbeit, Solidarität „das ist, wenn man in der Küche ist und am gefühlt 1000 Meter entfernten Verkaufsstand braucht jemand Essig, wenn man den dahin bringt.“

Besonderes Augenmerk legen die Klassenleiterinnen Evelyn Hasselberg und Iris May auf Ressourcenschonung. Einpackpapier wird z. B. mehrfach verwendet (Upcycling) und bei der Nahrungszubereitung werden fast ausschließlich Bioprodukte verwendet. Abgerundet wurde dieses Projekt durch Ausarbeitungen der Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Themen des nachhaltigen Handelns.

 

Nun denn, es war ein satter Tag. Für mich. Ich hatte Aufsicht (mit Kuchen), Mittagspause mit  Linseneintopf (mit Würstchen und Essig), dazu Quittengelee für daheim, und dann noch ein Wendekorb und einen Espresso. So verwöhnt wurde ich in meiner Schule noch nie.

Danke, liebe BF I HW 18a, danke Evelyn und Iris, danke und viel Spaß in Paris.

Marc-Guido Ebert